Vor einigen Tagen kontaktierte mich ein „alter“ XING-Kontakt und bat um einen Rat. Er hegte den Verdacht, dass eine Werbeagentur versucht, seine Frau mit einem Angebot für einen WordPress-Blog zu übervorteilen. Wir sind bereits seit 2009 über XING vernetzt und haben uns immer wieder mal ausgetauscht. Vor einiger Zeit trafen wir uns auf einem XING-Treffen und konnten uns persönlich unterhalten. Zu einer Zusammenarbeit kam es bisher noch nicht. Das wird sich jetzt jedoch ändern.

Grund für seinen Anruf war ein Angebot einer klassischen Werbeagentur über  einen einfachen WordPress-Blog für seine Frau. Diese hat sich vor Kurzem mit einer Hundeschule und einer angeschlossenen Hundepension selbstständig gemacht. Sie ist bisher in den endlosen Weiten des Internets noch nicht präsent. Mein XING-Kontakt war etwas irritiert über drei Sachverhalte im Zusammenhang mit diesem Angebot.

Er bat mich, das Angebot zu prüfen.

Seine „Verunsicherung“ beruht dabei auf folgenden Punkten:

  1. Der Briefkopf der Werbeangentur weist ausschließlich die folgenden Kompetenzen aus: Anzeigen in ZeitungenZeitschriften, Außenwerbung und Kinowerbung.
  2. Vor dem Erhalt des Angebots fand ein zweiminütiges Telefonat statt.
  3. Im Angebot wird ein WordPress-Blog mit Kosten i. H. von 6.000,00 € zzgl. MWSt ausgewiesen.

Auf meine Nachfrage erfuhr ich, dass die Agentur die Jungunternehmerin, kurz nach der Veröffentlichung der Neuanmeldung ihrer Firma zum Handelsregister, telefonisch kontaktiert hatte und „kompetent“ einen Blog als ultimative Lösung für den Webauftritt angepriesen hat. Dagegen spricht zunächst nichts. Es sei denn… man wendet sich absichtlich an vermeintlich unerfahrene Existenzgründer, um diese „abzuzocken“.

Worum geht’s bei diesem Angebot?
Um Perfektion oder Abzocke?

Das machte mich neugierig. Nachdem ich das Angebot per Fax erhalten hatte, machte ich mich direkt an die erste Prüfung. Ich war erstaunt über das, was ich da zu lesen bekam.

Das Angebot. 8 Seiten ohne sinnvollen Inhalt.

Das Angebot besteht auf Seite 1 aus 2 Postionen:

  1. WordPress-Blog für 3.000 € mit „vielen nützlichen“ Funktionen
  2. Premium Theme mit Anpassungen für weitere 3.000 €.

Nur das! Sonst Nichts!
Keine Schulung. Keine Einweisung. Nichts!

 

Schulung und Einweisung sollen laut Angebot (Seite 2) weitere 1.000 € pro Tag und Person (ich wiederhole: pro Tag und Person) kosten. Der wichtige Baustein „Suchmaschinenoptimierung“ (SEO) wird mit keinem Wort erwähnt.

Das wollte ich jetzt auch einmal genauer hinterfragen.

Das Angebot ist lang. Sehr lang. 8 Seiten! Aber was steht drin?

Die „vielen nützlichen Funktionen“ erwiesen sich bei näherer Betrachtung des Angebots ausnahmslos als das Plugin Jetpack mit den darin enthaltenen Einzelmodulen. Die Aktivierung der Module dauert nur weniger als 1 Stunde.

Die einzelnen Module wurden offensichtlich vor langer Zeit per Copy & Paste in das Standardangebot eingefügt. Natürlich in englischer Sprache. Viele aktuelle Module von Jetpack fehlen allerdings… Hier ist wohl kein Profi am Werk!

Das angebotene Premium Theme erweist sich in meinen Augen nur als ein Mittel zur wundersamen Geldvermehrung für die Werbeagentur. Ohne messbare und werthaltige Gegenleistung. Das angebotene Theme kostet selbst nur 20,00 €. Es wurde im Angebot als DAS ultimative Design angepriesen. Es soll dabei helfen, sofort von Suchmaschinen gefunden zu werden.  Seit wann hilft nur das Design dabei in Suchmaschinen gefunden zu werden? Laut Angebot soll das Design über mehrere Tage aufwändig an die Firmenfarben der Jungunternehmerin angepasst werden. Aha! So ist das. Was dauert hier mehrere Tage?

Fazit

So einen Blödsinn habe ich noch nicht oft gelesen. Die Werbeagentur ist eigentlich in der Region nicht unbekannt und schon recht lange am Markt. Da frage ich mich: „Warum eigentlich?

Die Werbeagentur firmiert als GbR. Die Betreiber nennen sich selbst im Briefbogen „Geschäftsführer“. Das soll offenbar Vertrauen schaffen. Dabei ist das eigentlich per se schon „dumm“. Einzelunternehmer und GbR-Gesellschafter dürfen sich nicht als Geschäftsführer bezeichnen. Das ist irreführend und wettbewerbswidrig und wird daher häufig abgemahnt. Die Verwendung des Begriffs ist ausschließlich den im Handelsregister eingetragenen Geschäftsführern von Kapitalgesellschaften vorbehalten.

Wenn die Hundeschule mit angeschlossener Hundepension einen Designpreis für die beste Webseite einer Gründerin gewinnen will, kann man gerne darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, gleich eine super-stylische Webseite zu beauftragen. Aber dann muss das auch tatsächlich umgesetzt werden. Das empfohlene Design ist dafür nicht geeignet. Die Gründerin möchte mit dem Geschäftsbetrieb Erträge erwirtschaften.

Ich bin mir (noch) nicht sicher, ob hier ein bedauerlicher Fehler, dummdreiste Absicht, Faulheit des Angebotserstellers oder ein Fall von systematischer Abzocke vorliegt. Letzteres zu vermuten, dürfte hier nicht abwegig sein. Der Angebotspreis ist viel zu hoch. Die zu erbringenden Leistungen stehen in keiner Relation zum Preis.

Hier wird ein Produkt, das maximal 1.000 € kosten darf, zum sechsfachen Preis angeboten! Fakt ist: Die angebotenen Leistungen sind in weniger als 3 Stunden umsetzbar. Es darf bezweifelt werden, dass die Werbeagentur überhaupt Kompetenzen und Referenzen in diesem Marktsegment vorweisen kann. Die eigene Webseite jedenfalls ist weder attraktiv, noch funktional sinnvoll. Sprachbegabt ist man dort auch nicht besonders. Das Angebot weist viele Fehler schon auf der ersten Seite auf. Auch die eigene Webseite ist voller Schreibfehler. 

Mein Tipp

Solche Beispiele beweisen mir, dass es hier noch viel zu tun gibt. Schwarze Schafe dürfen keine Chance haben. Der Standort Deutschland ist durch seine bürokratischen Hürden schon widrig genug für Selbstständige und kleine KMU. Man darf sich zusätzlich nicht noch gegenseitig das Leben schwer machen. Als Y-Berater unterstütze ich Sie gerne.

So schnell kann man 5.000 € sparen!

Im oben geschilderten Fall habe ich dem Kunden meine Zweifel mitgeteilt und von einer Beauftragung der Werbeagentur abgeraten. Ich halte lediglich einen Preis i. H. von 1.000 € für angemessen. Die Frau meines XING-Kontakts hat der Werbeagentur diesen Preis genannt und natürlich das Angebot dankend abgelehnt.

 

Darauf erhielt sie nur wenige Minuten nach Eingang Ihrer Ablehnung folgende Antwort per E-Mail :

„… Sehr geehrte Frau …, vielen Dank für die Rückmeldung auf unser Angebot. Gerne korrigieren wir den Angebotspreis auf 1.000 €. Wir wollen Sie als Neukunde gewinnen und dauerhaft, nachhaltig und langfristig an uns binden…“

Zu einem guten Konzept für einen Unternehmensblog gehört mehr, als nur ein paar bunte Bildchen „gutes Design“ zu nennen und dann den Kunden hilflos und mit einem mächtigen Tool wie WordPress alleine zu lassen. Grundlage für einen guten Blog ist die Analyse der Kundenziele und die gemeinsame Entwicklung eines passenden Konzepts.

Die richtige Vorgehensweise ist :

  1. Kennenlerngespräch
  2. Analyse
  3. (Beratungs)-Gespräch
  4. Konzeption
  5. Umsetzung
  6. Schulung & Einweisung

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Seite Unternehmensblogs.

Was sagen Sie zu diesem Fall des Ideendetektivs?

Betrugsversuch? Abzocke? Oder pure Verzweiflung? Entscheiden Sie selbst! Schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu als Kommentar. Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen mit  dreisten und maßlos überhöhten Angeboten als Kommentar zu diesem Beitrag.

Abzocke! Werbeagentur bietet Gründerin einen Blog ohne sinnvollen Nutzen für 6.000 € an.
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