Als Ideendetektiv hat man oft Termindruck. Da passiert es schon mal, dass man einen Einkauf „in letzter Minute“ in einem Discounter erledigen muss. So auch gestern. Kurz vor zwanzig Uhr. Schnell noch ein paar Lebensmittel einkaufen. Eigentlich meide ich solche Läden, weil ich eher der Käufer bin, der Lebensmittel beim Meisterbetrieb meines Vertrauens kauft. Lebensmittelskandale hin oder her… für irgendwas müssen die Discounter ja gut sein. Also auf zum Selbstversuch.

Wer ähnliche Erfahrungen gesammelt hat, darf das gerne hier als Kommentar veröffentlichen!

Schon das Gesicht der gelangweilten Kassiererin ließ mich nichts Positives erwarten. Nun ja, das „Mädel“ (die Dame war deutlich 50+) will ja auch Feierabend machen. Soll sie ja auch. An mir liegt’s nicht, dass sie gestern arbeiten musste. Also schnell die Einkäufe erledigen und nix wie weg… Dachte ich.

Die sachliche und fast spartanische Innenausstattung des Ladens machte es mir leicht, mich auf das zu konzentrieren, was ich kaufen wollte. Bis ich ein Paket Schwarzbrot sah. Ich musste es haben. Jetzt! Sofort!

Oh Graus. Was sehe ich da? Schimmel! DAS geht gar nicht!
Mindesthaltbarkeitsdatum: 12.4.2013. Und dann schon verschimmelt?

Schon war der detektivische Spürsinn in mir geweckt. Wie mögen wohl die anderen Brote aussehen? Sie werden es kaum glauben: Von 11 Broten im Regal waren 11 angeschimmelt. Alle! In Worten: elf! Das scheint System zu haben… oder wie sonst ist das zu erklären. Wer hat denn da gepennt? Qualitätssicherung? Ein Fremdwort?

Wie gut, dass es Smartphones mit tollen Kamerafunktionen gibt. Das schreit förmlich nach einem Foto zu Beweiszwecken. Gesagt, getan! Die Fotos waren schnell gemacht! Das gelangweilte „Kampfweib“ hinter der Kasse sah mich und brüllte durch den Laden: „Hey Sie. Hier ist fotografieren verboten!“. Komisch! Irgendwie fühlte ich mich bei dieser freundlichen Anrede gar nicht angesprochen.

Ups. Tatsächlich? Ahhh ja. Stimmt! Hier darf man nur filmen. Wie konnte mir das nur passieren? Überall hängen Hinweisschilder mit einer Videokamera. Ich Dummkopf.

Ich teilte dem Kassenkoloss brav mit mit, dass alles in Ordnung sei und ich ja nur ein Video gemacht habe, damit die 11 verschimmelten Brote in der Auslage noch besser zur Geltung kommen als auf einem einzelnen Foto. Das sei ja auch wesentlich werbewirksamer für das Unternehmen, wenn andere Verbraucher die ganze Misere auf einmal sehen können…

Das war wohl zu viel für die Dame. Sie rannte auf mich zu. Es zeigte sich, dass die Bezeichnung Kampfkoloss eher eine Untertreibung war. Es waren gleich zwei oder drei… Nun ja… Sie isst offensichtlich gerne zu viel… Hoffentlich kein verschimmeltes Schwarzbrot aus dem Laden. Aber wer weiß das schon….

„Hier ist filmen und fotografieren verboten!“, hörte ich sie immer noch schnaufen. Sie hat wohl auch Atemprobleme. Ach Gott. Die Ärmste. Und dann muss sie auch noch sooooo lange arbeiten? Wie dumm!

Meine Frage nach einem nicht verschimmelten Brot hörte sie nicht mehr.

Fürsorglich, wie ich nun ‚mal bin, fragte ich nach Ihrem/Ihrer Filialleiter(in). Schließlich solle er/sie doch wissen mit welchem Körpereinsatz die Dame sich um das Wohl der verschimmelten Schwarzbrote kümmert. Schwitzend und keuchend hatte sie den 20-Meter- Marathon von der Kasse zum Brotregal so gerade eben noch überlebt. Spätestens jetzt hatte ich keinen Hunger mehr…  Was dann folgte war etwas Neues…

„Die da oben haben schon lange Feierabend“ sagte sie und verschwand sichtlich eingeschüchtert wieder hinter der Kasse. „Pech gehabt. Kleiner!“ Kleiner? Hallo? Ich bin mindestens 1 Kopf größer als sie breit, nein hoch ist. Hier hat wohl die elementare Erziehung versagt.

Oben? Wo oben? Der Laden hat gar kein Obergeschoss… Das soll einer verstehen…

Das erschien mir alles sehr kundenunfreundlich und schrie förmlich nach „Bestrafung“. Appetit auf Schwarzbrot und die anderen Einkäufe, die sich mittlerweile in meinem Einkaufswagen eingefunden hatten, hatte ich jetzt nicht mehr. Also nix wie raus hier.

Mit finsterem Blick begleitete mich die Kampfdrohne zur Türe und schloss 3 Minuten vor 20 Uhr die Türe ab… Stopp! Sie wollte! Denn ein weiterer Kunde begehrte noch Einlass… Hoffentlich hat die Einzelkämpferin ihn nicht dazu verdonnert, meine Einkäufe wieder in die Regale zu räumen.

Ob dieser Kunde seinen Einkauf überlebt hat, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass die zuständige Verbraucherschutzbehörde heute von mir einen dezenten Hinweis auf die katastrophalen Zustände im Schwarzbrotregal dieses Discounters erhalten hat.

Es mag ein Einzelfall sein, aber wer seinen Laden der Verantwortung solcher Mitarbeiter überlässt, darf sich gerne von uns schulen lassen, wie man mit Kundenreklamationen umgeht. Jetzt kümmert sich der Verbraucherschutz um das Schwarzbrot.

Klar, dass ich zukünftig nie wieder einen Laden dieser Discounterkette betreten werde. Selbst schuld! Was gehe ich da überhaupt hin!

Ist Fotografieren im Discounter verboten? Ein unfreiwilliger Selbstversuch.